Trauerfall Hans Sänger

Bericht über die Gründung der Bruderschaft

Authentischer Bericht von Pfarrer Löffelsend über die Gründung der Schützenbruderschaft „St. Andreas“ Norf

 

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit in der Pfarrchronik von Norf (in Auszügen)

Teil III:  Januar 1947 bis Mai 1949

Manfred Berdel / Heinz Heuser

Für die Geschichte von Norf und der dortigen katholischen Pfarrgemeinde St. Andreas von Mitte der 1930er bis Mitte der 1950er Jahre ist die „Chronik der Pfarre Norf“ eine aussagekräftige Quelle. Das Original der Pfarrchronik befindet sich im Besitz der Kirchengemeinde, der Heimatverein Norf e.V. besitzt eine Fotokopie. Die handschriftlich verfasste Pfarrchronik hat einen Umfang von 423 paginierten Seiten. Sie setzt mit dem Jahresbeginn 1936 ein und endet mit dem Jahresende 1954. Die Pfarrchronik besteht aus drei Teilen, deren erster und umfangreichster die Zeit bis März 1949 behandelt. Zu diesem Teil gehört auch ein Register am Ende des Bandes. Die dort behandelten 13 Jahre sind weitgehend identisch mit der Amtszeit von Pfarrer Peter Löffelsend (1936-1949). Ob Pfarrer Löffelsend selbst Autor des ersten Teils der Pfarrchronik war, lässt sich dem Werk nicht eindeutig entnehmen. Es ist durchaus naheliegend, anzunehmen, dass er als verantwortlicher Pfarrer die Pfarrchronik selbst verfasst hat. Jedoch lassen einzelne in der Chronik erwähnte Ereignisse aus der Zeit, bevor Löffelsend nach Norf kam, auch die Möglichkeit zu, dass eine andere Person als Autor in Frage kommt. Aufgrund der erkennbaren Nähe insbesondere zu den spezifisch kirchlichen Ereignissen dürfte der Autor aber zumindest dem näheren Umfeld des Pfarrers und der Kirchengemeinde zuzuordnen sein. Die Chronik der Jahre 1936 bis 1949 liegt in einer Reinschrift vor, der möglicherweise eine ältere Fassung als Vorlage zu Grunde lag.  

Mit dem Wechsel von Pfarrer Löffelsend zu einer neuen Pfarrstelle in Kaster im März 1949 endet dieser Teil der Pfarrchronik, an den sich ein nur wenige Seiten langer zweiter Teil anschließt, der ausweislich der Handschrift von einem anderen Schreiber verfasst wurde. Dieser Abschnitt der Pfarrchronik behandelt nur die Zeit der Sedisvakanz bis Mai 1949, als mit Franz Holtmann aus Essen-Steele ein neuer Geistlicher die Pfarrstelle in der St. Andreas-Gemeinde übernimmt.

Die Chronik ist in einem sachlichen Sprachstil verfasst und kommt aufs Ganze gesehen ohne explizite Wertungen oder andere subjektive Einlassungen aus. Die insgesamt sehr faktenorientierte, geradezu nüchterne Art der Darstellung lässt die Pfarrchronik als glaubwürdige Quelle erscheinen. Sie liefert wertvolle Informationen sowohl für die Ortsgeschichte als auch für das Wirken von Pfarrer Löffelsend.

Nachdem im Jahrbuch 2019 der Zeitraum von September 1939 bis Mai 1945 und im Jahrbuch 2020 von Mai 1945 bis Dezember 1946 beschrieben wurde, folgt nun der Zeitraum 1947 bis Mai 1949. Er war geprägt vom Aufbau gesellschaftlicher, teils noch bis heute wirkender Strukturen in Norf.

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1947

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Am 27. April dokumentierte Pfarrer Löffelsend ein ganz besonderes Ereignis:  „Heute haben wir die St. Andreas-Schützen-Bruderschaft gegründet. Die Vorgeschichte der Gründung ist folgende: Nach der Kirmes des letzten Jahres kam Josef Offer, Sohn der Witwe Offer vom Birkweg zu mir u. fragte, ob in Norf eine Schützenbruderschaft gegründet werden könne. Man war sich sofort klar, dass die unter Umständen zu gründende Bruderschaft nicht ein getarnter Schützenverein alten Stils, auch nicht ein Festkomitee für die Kirmes sein könne. Es kamen dann zweimal eine Anzahl von meist jüngeren Männern zu einer Beratung über das Wesen, den Zweck u. die Form einer solchen Bruderschaft zusammen. Nach diesen Vorbesprechungen wurden Statuten entworfen u. einem Kreis von etwa 30 Männern vorgelegt, die ihr Einverständnis erklärten u. einen vorläufigen Vorstand bildeten. Die Statuten wurden dann an den Hochw. Herrn Generalpräses der St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft zur Begutachtung übersandt, der sie genehmigte u. die St. Andreas-Schützen-Bruderschaft Norf als Mitglied in die Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus, des Verbandes der historischen Schützenbruderschaften, Gesellschaften, Gilden u. Garden im Rheinland Westfalen, Hessen u. Oldenburg aufnahm, unter dem 14. Februar 1947.“

Eine Bruderschaft war in Norf neu. „Wenn die Kirmes bevorstand, bildete sich ein Festausschuß, das das Gelog (Gelage) verantwortlich leitete. Es wird berichtet, daß eine zeitlang im Ortsteil „am angere Eng“, also jenseits der Norf, ein Gelog gehalten wurde u. an einem anderen Sonntag diesseits der Norf bis man sich schließlich auf eine einzige Kirmes einigte, zuerst Ende Oktober, dann am dritten Sonntag im September. Es bildete sich nun in Norf ein Reiterverein, daraus wurde eine Hubertus Scheibenschützengesellschaft, die sich 1899 zu einem Schützenverein entwickelte u. seit 1933 als Verein der Heimatfreunde ein verborgenes Dasein hatte. Der Verein hat sich nicht gleichschalten lassen. Nach Beendigung des Krieges wurden die Schützenvereine von der Militärregierung aufgelöst. Satzungsgemäß sollte das Vermögen des Schützenvereins bei Auflösung an die Kirche fallen. Das Vermögen bestand aus dem Königssilber, 2 Fahnen mit Schärpen, Fahnenschrank u. 607,36 Rm auf der Sparkasse. Bei einer Besprechung mit dem bisherigen Präsidenten Herrn Peter Roderigo, Stiegergasse, schlug dieser vor, auf der Gründungsversammlung der Bruderschaft die Auflösung des Schützenvereins durch ihn bekannt geben zu lassen u. dem bisherigen Kassenführer, Herrn Bernhard Rond, Rosellerstraße, Entlastung zu erteilen.“

Die Versammlung am Sonntag, dem 27. April, im Saal von Plum war nun das Ergebnis dieser Gespräche und die Grundlage der St. Andreas-Bruderschaft, wie sie auch heute noch besteht.  Der Pfarrer gab den Erschienenen zuerst einen geschichtlichen Überblick über die Schützenbruderschaften u. sprach dann vom Geist einer kirchlichen Bruderschaft, wie er in der neu zu gründenden Bruderschaft lebendig werden soll.

„Erstens: Sie ist kirchlich, nicht politisch u. nicht militärisch. Zweitens: Sie ist eine Bruderschaft, also eine Gemeinschaft von Brüdern in Freud u. Leid. Drittens: Sie ist eine Schützenbruderschaft. Schützen, die aber nicht materielle, kriegerische, sondern geistige Waffen tragen, um die christliche Gemeinschaft in Norf zu schützen. a) negativ, dass nichts Unchristliches sich in Norf breit macht b) positiv, dass die Kräfte u. Werte unseres hl. Glaubens sich ruhig u. stetig entfalten können. Viertens: Sie ist St. Andreas-Bruderschaft, d.h. sie schart um sich, um den hl. Pfarrpatron, hat ihn als Vorbild u. hat bei allen Bestrebungen die Andreas-Pfarrfamilie als Wirkungskreis im Auge.“

Die von allen seinerzeit Anwesenden angenommenen Statuten spiegeln das wider: Die Norfer St. Andreas-Schützenbruderschaft …. ist eine kirchliche Sodalität im Sinne des Canon 707 § 1 des kirchlichen Gesetzbuches….. nimmt an den … vom Apostolischen Stuhle verliehenen Gnaden u. Ablässen teil .. Der Ortspfarrer ist der geistliche Präses (§ 1) …  bestrebt, zunächst unter den Mitgliedern, dann aber auch in weiteren Kreisen die Pflege des religiösen Lebens zu fördern, die Werke der christlichen Nächstenliebe zu üben (§ 2). Mitglied kann jeder männliche Katholik werden, der unbescholten ist. Nichtkatholiken können als Gast der Bruderschaft beitreten, wenn sie die in § 2 der Satzung angegebenen Zwecke anerkennen (§ 3). Höchstes Fest der Bruderschaft ist der Fronleichnamstag, das Andreasfest im November und der Sebastianustag im Januar. Patronatsfest ist die Kirmes am dritten Sonntag im September. Diese Feste sollen nach altem rheinischen Brauch begangen werden, also mit gemeinsamem Kirchgang am Morgen und Versammlung am Nachmittag oder Abend, an dem auch die Familienangehörigen teilnehmen sollten (§ 4). Die Bruderschaft beteiligt sich grundsätzlich an allen Karitasveranstaltungen der Pfarre und nimmt sich besonders der armen und kranken Brüder an. Die Bruderschaft unterstützt alle kulturellen Bestrebungen im Geiste der Kirche und pflegt das ererbte Brauchtum. Die Bruderschaft sorgt auf sozialem Gebiet für ihre Mitglieder. „Sie empfiehlt Krankenversicherungen u. nimmt an einer Sterbeunterstützungskasse teil … Niemand darf von der Mitgliedschaft ausgeschlossen oder abgewiesen werden, weil er arm oder bedürftig ist.“ (§§ 6, 7, 8)

43 Anwesende traten der Bruderschaft bei - Pfarrer Löffelsend konstatierte: „Möge sie segensvoll wirken!“

Ganz im Sinne der Satzung beteiligte sich die St.-Andreas-Bruderschaft an der Fronleichnamsprozession, veranstaltete am 3. August einen „heiteren Heimatabend, der großen Anklang fand“, am 31.08. einen Vortragsabend mit Herrn Lehrer Rückriem aus Helpenstein, der dabei seine Funde in Form von Waffen und Werkzeugen aus der Steinzeit, die er in der Umgebung von Norf gemacht hat, präsentierte und am 26. Oktober einen „Vortrag des Herrn Heinrich Goertz aus Neuß über Norf im Mittelalter.“

…..                                                                                                              24.02.2021

Quelle:

Artikel von Manfred Berdel und Heinz Heuser (Heimatverein Norf e.V.). Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss 2021, Herausgeber Kreisheimatbund Neuss e.V.; erhältlich im Buchhandel und Kreisverwaltung Rhein-Kreis-Neuss 12 € oder ausleihbar Bücherei "St. Andreas"

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